Die tote Musik-Maschine

Epitaph für Wurstl

Will man, daß die Musik Dauer hat in ihrer eigenen Anwesenheit, Dauer nicht in dem Sinn, daß ein Ton so lange hält, wie er erzeugt wird, sondern in dem Sinn, daß etwas entsteht, das immer da ist, wenn man will, so lange, wie man will, dann steht die Idee einer Maschine im Raum, die das besser kann als ein Mensch, eine Idee, die aber erst noch ausgeführt werden muß. Will man, daß etwas, das den Lauf der Zeit tonvoll begleitet als das Bleibende, das aber, im Bleiben, in keinem Augenblick gleich bleibt, und doch immer wieder gleich, so wie es ist, auf- und wieder abgerufen werden kann, muß man zur Maschine greifen, in der das Bleiben schläft, solange man es noch nicht braucht. Dann schaltet man ein, und schon kommt es heraus. Die Maschine muß man aber erst bauen, damit sie das ihre bestellen kann wie ein Feld, nur nicht aus Natur. Um aus etwas, das sich nicht wehrt, zum Beispiel aus einer Maschine, die etwas ist, das, während wir leben, zwar währt, aber anders, nach einem andren Maß, das sie sich selbst gibt, um aus dieser Maschine also etwas hervorzubringen, muß man das, was sich eben nicht wehrt, trotzdem erst noch bezwingen. Kein schöner Sieg und auch kein verdienter. Wenn man mit Maschinen Musik erzeugt, dann soll sie fortwährend dauern, also dauern und dabei fortgehen, aber immer wieder anfangen können, je nachdem, wie die Maschine gesteuert wird. Die Technik ist nichts Abstraktes, die Musik aber ist die Abstraktion schlechthin, ich habe das schon oft gesagt, vielleicht wird es irgendwann einmal wahr, da wir heute Musik ja überall wahrnehmen müssen, oft ganz unfreiwillig, wenn sie sich einem irgendwo aufdrängt. Die Musik ist etwas, von dem man beliebig etwas wegnehmen oder beliebig etwas dazugeben kann (wenn einen der Komponist nicht dafür erschlägt, jedoch die Maschine erschlägt einen nicht, die schlägt einen höchstens beim Spielen, das aber mühelos, und die Maschine hat auch keinen Spielraum, sie hat nur den Raum, den der Techniker ihr einräumt, und sie ist auch noch ihr eigener Interpret, das ist viel verlangt, aber die Maschine hat ja auch viel zu geben!), etwas Beliebiges, das aber in diesem Fall von einem längst gefallenen, doch damals noch festen Gegenstand, einem Gerät, generiert wird. Daß etwas wie Technik, eine Maschine, diese Musik gemacht hat, die man hört, und zwar wirklich hervorgebracht, aus sich heraus, aber mit dem Denken eines Schöpfers aufgeladen, eines Schöpfer-Geists, der einem zuliebe eigens etwas Unbelebtes erfunden hat, nur damit man überhaupt irgendwas hört (was Belebtes kann er ja nicht schaffen, höchstens etwas Beliebiges), dient dazu, das Flüchtige, die Zeit selbst, einzuholen und festzuhalten. Aber das geht ja nicht. Die Zeit verweigert das. Was kann die Maschine? Das, was ihr eingegeben worden ist. Die Zeit wird ihr gratis dazugegeben, und dennoch muß die Maschine sich nach der Zeit richten. Aber der Versuch, die Zeit festzuhalten, der nicht gelingen kann, bedeutet, daß man ist, was man ist, aber gleichzeitig auch das, was man sein könnte. Die Maschine gibt einem viele Möglichkeiten, nein, leider nicht alle. Wie die Maschine immer das ist, was sie ist, nämlich was in sie hineingelegt worden ist (wie Gott in die Religion), ist sie auch das, was sich ändern kann, die Zeit selbst. Die Maschine ist zwei Zeiten zugleich, eine, die ohnedies vergeht, und eine mit Füllung, bei der man hört, wie sie vergeht. Eine für die Erfüllung eines Schöpfers. Für seine Befriedigung. Es scheint die Technik, in diesem Fall die frühe Elektronik, also die elektronische Musikerzeugungsmaschine, in der die Musik weilt, bis sie herausdarf, ich meine: bis sie herausgelassen wird, das Abstrakte gleichzeitig konkret werden zu lassen, bis beide, das Abstrakte wie das Konkrete, in eins zusammenfallen. Und was da erzeugt wird, ist nicht konkret, es ist ein Wesenloses, dessen Wesen (das es eben nicht hat, das Wesen ist ein automatisiertes Gespenst, das sich bedienen läßt, es behauptet sich aber immerhin ganz tapfer) darin besteht, daß man es nicht sieht, nur hört, daß es fortwährt, obwohl es dableibt und dort währt wo es entstanden ist, das heißt: hergestellt wurde. Die Zeit wird von einer Maschine gefüllt, aber niemals aufgefüllt. So, sie läuft jetzt immer noch locker und immer frisch, mit ohne Pfefferminz immer neu belebtem Atem, mit uns, eins, zwei, drei im Sauseschritt, wir laufen mit, aber das stimmt ja nicht. Wir laufen nicht mit, die Zeit läuft von allein, nein, sie läuft uns auch nicht davon, ohne von uns zum Wettlauf herausgefordert worden zu sein, denn vernünftigerweise fordern nur Sportler die Zeit heraus, sie ist halt einfach da und nervt, ungesteuert, unausgesteuert, ohne Besitz (wir sind ihr Besitz!), weil sie bleibt, aber immer anders. Die Zeit ist überall, während sie währt, und daher wird das Währen, von dem ich gesprochen habe, sowieso (nicht automatisch, aber durch eine Art beherrschbaren Automaten) wiederum ein Fortwähren. Ja, ja, das Währen und das Fortwähren in einem, das wärs gewesen! Fort mit dem Währen!, sagt die Musikmaschine, als wollte sie Wasser verdrängen, das aber immer wieder zurückbrandet, eine Maschine, die wir nicht verstehen und die will, daß das, was sie zum Bleiben gezwungen hat, indem es dauernd fortschreitet (genau: Musik!), daß die Zeit durchhält bei diesem Fortwähren, bei diesem Dauern und gleichzeitig Weiterschreiten (Musik!), und das bitte auch regelmäßig, wir können ja nicht erreichen, wenn wir in Ruhe Musik hören wollen, daß die eine Sekunde, weil uns so gefällt, was in ihr passiert, länger dauert als die andre, in der gar nichts passiert, nur die Zeit, ohne zu rasten, das Raster passiert, das Raumgitter, das die Technik ihr errichtet hat, obwohl es überhaupt nicht in den Raum hineinragt, sondern ein gedachtes Maß ist, in das wir schöpfen, doch es wird nie voll. Es ist uns schon über, aber es geht nicht über. Es läuft nicht über, es läuft fort, indem es das Fortwährende bleibt. Und in allem, was es überhaupt gibt, ist das Bleibende zu Hause, obwohl fortgeschritten wird, ohne daß es viel Fortschritt zu verzeichnen gäbe, denn die Zeit hat sich, nein, nicht verzettelt, auf diesem Zettel steht: Die Zeit hat sich verzeichnet, die Zeit hat keinen Treffer mehr zu verzeichnen, die Zeit tönt, und das Bleibende, das fortwährt, ist zu sehen im Aussehen und ist zu hören im Aushören, nicht im Aushorchen, nein, natürlich nicht. Die Maschine schöpft los, am Schöpfwerk, und wer ist der Schöpfer? Darauf kommt es nicht an. Darauf kommt es bei einer Maschine eben ganz genau nicht an! Die Technik beginnt, sobald alles gesagt ist, was es hier zwar nicht ist, aber ich lasse trotzdem die Technik beginnen, damit ich endlich entlastet bin, alles weitere geht zulasten von jemand anderem.

Die Technik hat ein Entwicklungsziel, und ich wickle dieses Ziel jetzt aus, so, geschafft!, da läuft sie schon einher, die Technik, und erreicht ihr Ziel schon in dem Augenblick, da ich es aus dem Papier auswickle und ihr zeige. Die Technik zieht die Verpackung eine Weile hinter sich her, dann läßt sie sie liegen. Wie beschreibe ich diese Erzeugung beliebiger Klänge und Abfolgen durch präzise und reproduzierbar steuerbare Oszillatorbänke (Frequenzen), Hüllkurvenmodulatoren (Amplituden) und Filterfunktionen (spektrale Zusammensetzung des Klangs) besser? Besser kann ich es nicht. Die Musik, die schließlich mit dieser Maschine erzeugt wird, kommt nicht von einem Instrument, das im herkömmlichen Sinn „bespielbar“ ist, denn wir spielen längst nicht mehr. Es ist unser Ernst. Was hergestellt werden soll, ist eine komfortable Klangentwicklungsumgebung, in der auch wir noch Platz haben, uns auszubreiten, gleich neben den Klängen. In dieser Umgebung sollen Klänge und Abläufe erprobt werden, es soll aber auch die Speicherung längerer Klangsequenzen, die man, wenn man will, Kompositionen nennen kann, ermöglicht werden. Die Komposition wird jetzt möglich, ohne daß man komponiert. Die Natur ist ja auch möglich, ohne daß man kompostiert. Wir spicken dies hier mit faulen Witzen, um den Anschein zu erzeugen, fleißig zu sein. Die Klangerzeugung, selber nicht faul, hält sich im Gerät also verborgen, dann erzeugt sie, und dann, wenn es schon später geworden ist, wird der Klang den Menschen offenkundig und der Klangraum für den Menschen betretbar. Sie stehen dort betreten herum, weil sie nicht wissen, wie dieser Klang auf einmal erzeugt worden ist (na, auf einmal ist es auch wieder nicht gegangen!). Natur können wir uns nicht beliebig bestellen, die Technik aber schon, vorausgesetzt, wir wissen, wie man ihren Boden bestellt, auf dem wir ja selber auch noch stehen wollen, damit wir was davon haben, und wir müssen uns dazu zwingen, die Technik zu beherrschen, sodaß etwas entsteht. Ich kann nicht anschaulich bleiben, leider, weil ich die Maschine zwar gesehen habe, es diese aber nicht mehr gibt. Ich kann sie mir nie wieder ansehen. Daher kann ich nicht beschreiben, was ich mir einst angeschaut habe. Ich versuche den kleinen Versuch einer Schilderung, aber anschaulich ist er gewiß nicht, und es ist auch nicht gewiß, ob das, was dabei rauskommt, überhaupt stimmt. Das kann nicht stimmen! Nein, stimmen auch nicht mehr nötig! Notieren aber schon noch nötig, irgendwas muß durch eine Art von Notation festgehalten werden, weil das Gerät sich sonst in die Lüfte erheben und frei herumschweben würde. Man muß es aber entschlossen mit seiner Bestimmung konfrontieren, und diese Bestimmung dann auch, ohne jeden Spielraum, denn die Maschine ist ja schon ihr eigener Spielraum, festhalten. Die Notierung ist eine digitale, die wir beschreiben werden, ohne zu wissen, wovon wir reden. Die Form der Notation besteht in Spannungs- und Zeitangaben für die Digital/Analog-Wandler, deren Ausgangswerte die Oszillatoren, Filter und Modulatoren steuern. So habe ich es verstanden, denn so steht es da, ob ich es nun verstehe oder nicht. Die Technik verstehen nur wenige, aber beherrschen können sie schon viel mehr Leute. Na, ich kann mich beherrschen, Leute!, aber die Technik nicht, die beherrsche ich nicht. Wollen Sie wissen, wer die Speicherung übernommen hat? Die Speicherung übernahmen damals, als die Maschine noch existierte, die Bandspeicher eines Siemens-3003-Rechners. Schön, schön, schön war die Zeit, und damals hat sie sogar gearbeitet, und man konnte ihr dabei zuschauen. Ja, sie spricht auch Fremdsprachen. Ich meine ja nur, weil Sie gefragt haben ...

In der musikerzeugenden Technik ist jede Hundertstelsekunde ein Zimmer, das man ausstaffiert, die Technik ist die Aussteuer, der Techniker steuert aus. Ein Puls rast, über, sagen wir, P1 wird die Asymmetrie des Pulses (unabhängig von der Frequenz) eingestellt. Die Musik wird der Puls und ist jetzt eingestellt, die Maschine ist die Garage für die Musik, die in ihr eingestellt worden ist, so, jetzt hat sie schon die richtige Einstellung gewonnen, aber dazu braucht man den Einsteller und den Einschalter (die nicht unbedingt identisch miteinander sein müssen). Mit, sagen wir, nein, wir sagen nichts, wir sind ja schon ruhig, doch sie schreitet fort, also mit P1 gekoppelt, aber sagen kann man ja alles, auch wenn man es nicht versteht, mit P1 gekoppelt also ist der Schalter für Asymmetrie und der Schalter für das Zuschalten eines Widerstands beim Ändern der Symmetrie, um den beiden Schaltzuständen dieselbe Frequenzeinstellung zu gewährleisten. Wir schreiten (wir würden schreiten, wenn wir könnten) zum nächsten Punkt, während die Musik die ganze Zeit an- und fortdauert, also stehenbleibt und gleichzeitig, in jedem Moment stehend, sich fortbewegt, ja, an- und fortdauert, das beschreibt es recht gut, was passiert. A, welches auch immer, hängt mit dem invertierenden Eingang an – 6,84 Volt, somit liegt am Ausgang, wenn der nicht invertierende Eingang „Null“ ist, + 6,84 Volt. Das ist die Spannung, die den Modulator steuert. Bei + 9 Volt am nicht invertierenden Eingang ergibt sich eine 180 Phasendrehung. Im Speicherbetrieb übernimmt also (nein, nicht also, aber also) das Register A vom 6-Bit Latch L dessen Information im Augenblick des Transferpulses (Latch wird eingeschrieben). Die parallel aufgenommene Information wird seriell abgegeben, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind: FL3 wird durch Niederdrücken einer Taste gesetzt, FL2 wird durch Informationsrücknahme in das Register A gesetzt. Sind beide FL gesetzt, so wird über das Gatter so, sowieso und so weiter der Equal-Puls zum FL1 durchgelassen. FL1 wird bei Adresszähler ist gleich Nebentaktzähler durch den Equalpuls gesetzt. Dadurch wird der bisher zurückgesetzte Sequenzzähler SZ aktiviert. Er zählt die „Informationslücken“ zwischen den überlappenden Taktpulsen, die ihm zugeleitet werden. Nach dem sechsten O-Puls spricht der Dekoder für „sieben“ an und setzt über MOFL1 das FL1 wieder zurück. G3 leitet die sechs während dieser Zeit aufgetretenen Taktpulse dem Register A und dem Informationszähler zu. Über das G1, welches die Information mit dem Takt synchronisiert, wird diese dem Speicher S zugeleitet. Nach den 6 Pulsen hat der Speicher 6 Bit aufgenommen und ist der Informationszähler um 6 erhöht worden, über den während dieser Zeit anstehenden Equal-Puls wird auch (über SG) dem Speicher das Kommando WRITE erteilt, ich schreibe also, ich schreibe, was ich nicht verstehe, aber ich schreibe, ich ziehe mich selbst an den Haaren in der Zeit voran, ich fürchte, diese Zeit ist an den Haaren herbeigezogen, leider ohne Musik zu sein oder zu werden. Im Lesebetrieb (S1 geschlossen) wird durch S6g verhindert, daß aus dem Equal-Puls ein WRITE-Kommando entsteht. Des weiteren werden Fl2 und Fl3 durch SG5 aus dem Equal-Loop abgeschaltet. Equal goes it loose. Dafür wird über SG6 und SG7 der Repetition-Rate-Geber eingefügt. Für das Auftreten eines Equal-Pulses, welcher nun über Fl1 den Sequenzzähler SZ startet, sind jetzt nur noch Zähler-Adresse ist gleich Zähler-Information und das Auftreten eines Repetition-Rate-Pulses nötig. Dann wird die jeweils nächste 6-Bit-Information in das Register B eingelesen und nach paralleler Abnahme über die US6 eins bis sechs dem D/A-Converter zugeführt.

Und so geht es immer weiter (das ist ja nur ein winziger Teil, und nicht einmal den kapiere ich, wie gesagt; wenn ichs recht bedenke, bin ich selber so ein Generator, der vor sich hin schöpft, aber leider keine Maschine hat, an die er sich anschließen kann, zum Trotz schließe ich mich auch an meine Artgenossen nicht mehr an), indem es fortwährend weiter ist als man selber. Über einen selbst kann man etwas aussagen, über die Maschine auch, aber es wäre unverständlich. Wem müssen wir da entsagen, damit wir etwas sagen können? Die Maschine gewährt keinen Einblick, glauben Sie nur ja nicht, daß die Technik, die ich von einem andren abgeschrieben habe, ohne zu wissen, was da zu mir spricht und in welcher Sprache (die Sprache der Musik verstehe ich leidlich, ich habe sie nämlich durch Leiden gelernt), mir einen Einblick gewährt hätte! Dieses Hören hier z. B. dauert genau eine Sekunde. Eine Sekunde, ungefähr so lang, wie ein Blitz dauert, jede Sekunde dauert genau eine Sekunde. Schauen Sie auf den Puls Ihrer Uhr, er wird es Ihnen bestätigen. Und auch wenn wir das, was wir hören, noch so verschleiern mögen, es wird nicht blind, und wenn wir das, was wir sehen, noch so sehr dämpfen mögen, es wird gehört werden. Das habe ich absichtlich so gesagt. Wahr oder unwahr. Es wird gehört, aber es gehört einem nicht, bloß weil es währt, sondern es gehört einem, indem es fortwährend doch immer da ist. Ich habe mich schon dran gewöhnt, daß mir Hören und Sehen nicht vergehen. Weg, Blick! Weg, Hör! Aus. Schon die nächste Zehntelsekunde kann ich nicht kennen, obwohl sie genauso sein wird wie die von vorhin war. Jetzt muß nur noch irgendwas rein. Ich möchte lieber, obwohl ich ihn niemals durchschauen würde, wenn man mich vor die Wahl stellte, von einem Apparat operiert werden, der wäre sicher zuverlässiger als ein Mensch, bei dem man sich immer in Unsicherheit befindet, und so möchte die Musik, um die es hier geht, die aber noch nicht zum Zug gekommen ist, nur zum Zug der Zeit, aber dieser Zug enthält uns alle, eben auch von einem Apparat, ohne sich zu genieren, generiert werden, denn auf einen Apparat kann man sich verlassen, außer es brennt was durch oder ist sonstwie hin. Deswegen würde die Zeit aber nicht stehenbleiben. Man kann sich ja nicht einmal die Zeit als etwas vorstellen, in der etwas geschieht, obwohl andauernd was geschieht, andauernd etwas gesehen, gehört werden kann. Ja, die Zeit ist das Fort-Währen, das gefällt mir gut. Jetzt muß ich nur noch ihre Währung kennenlernen, dann kann ich wechseln, mich selbst auswechseln wie eine ausgebrannte Glühbirne, mich wieder einschalten und etwas von mir geben. Etwas geben, was der Künstler aber nicht will. Er will immer bloß behalten, indem er gibt. Ich will aber nichts für mich behalten. Wenn ich gebe, dann bekomme ich meinen Blick vom bloßen Anblick wieder zurück, hoffentlich!, und mein Gehör schenkt mir endlich Gehör, meine Gewähr schenkt mir unbefristete Gewähr, aber erst, nachdem es, das Gehör, sich davon überzeugt hat, daß das Erbettelte, aber Unerhörte von einer echten Maschine herkommt. So wird die Maschine echter, als ein Mensch es sein könnte. Das Unerhörte ist das Sichere, und sicher ist nur, was nicht direkt von einem Menschen kommt, sondern indirekt, von einer menschengemachten Maschine hervorgebracht, mit Gebrauchsanweisung versehen und angeleitet wird. Versuchen Sie mal, das wieder anzuleinen! Sie werden ein Wunder erleben! Dort, wo etwas nicht da ist, will etwas werden, ein Anwesen, ein Unwesen, egal, aber das Schaffen, das Schöpfen, das aus nichts etwas Machen, geht voran. Und all das dauert genau eine Sekunde, jeweils eine, und dann kommt schon die nächste, und jetzt ist die auch vorbei, aber die nächste ist ja schon da, und dort, wo Sie jetzt hinschauen, dort ist noch mehr.


Digital Sonocoder (1966-1977)


27.4.2008 / 1.11.2013

Fotos, Sonocoder Entwicklung (1966-1977): G. Hüngsberg




Die tote Musik-Maschine © 2013 Elfriede Jelinek

 

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